PRESSE

Neue Westfälische Zeitung - Lokales - Bielefeld Dornberg-Werther, Mittwoch, 10. Juni 2015

Note 3,7 für Fahrradfreundlichkeit

Radler und Verkehrsclubs testen Bielefeld / Tops an Arndtstraße und Jahnplatz, Flops an Feilenstraße

Foto: Andreas Frücht/NW 2015

Radler und Verkehrsclubs testen Bielefeld / Tops an Arndtstraße und Jahnplatz, Flops an Feilenstraße

Bielefeld. „Fahrradfreundliches Bielefeld?“ Unter diesem Motto trafen sich am Dienstag rund 20 Radler am Alten Rathaus. Sie fuhren acht Stellen im Stadtgebiet an. Vier davon bewerteten sie aus Sicht eines Radlers positiv, vier negativ. Der Verkehrsclub Deutschland leitete die Fahrt. Die besichtigten Orte wurden bereits im Voraus durch den so genannten Fahrrad-Klima-Test vom ADFC von 555 Fahrern bewertet. Als Gesamtnote gab’s eine 3,7.

TOPS
Die Radverkehrswegweisung am Jahnplatz (Note 2,8): Neben den Fahrradwegen auf beiden Seiten befinden sich Schilder, mit denen Radfahrrouten markiert sind. „Die Schilder sollen Städte und kommunale Ziele verbinden“, sagt Thorsten Böhm vom ADFC.

Die Fahrradstraße an der Arndtstraße (2,6): Es handelt sich zwar nur um einen kurzen Abschnitt, doch der mache Lust auf mehr, sagt Martin Schmelz erfreut. Wegen der Tische und Stühle der Lokale links und rechts blieb Passanten kaum Platz auf dem Bürgersteig. Sie wichen auf den Fahrradweg aus. So kam es dort zu kleineren Unfällen, da die enge Einbahnstraße für Radfahrer auch keinen Platz bot. Jetzt ist das Problem gelöst.

Die beidseitige Ö!nung für Radfahrer der Einbahnstraßenregelung an der Bleichstraße (2,6): Während der Neugestaltung des Kesselbrinks wurde hier eine Einfahrtschleuse für Fahrradfahrer eingerichtet. Trotzdem sei darauf zu achten, dass nicht alle Einbahnstraßen für Fahrradfahrer in beide Richtungen freigegeben seien, betont Bernd Kü!ner vom Verkehrsclub Deutschland.

Die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums am Kesselbrink (2,5): Breite Fahrradwege ermöglichen ein zügiges Vorankommen. Der Fahrradbeau"ragte der Stadt Oliver Spree weist auf das indirekte Linksabbiegen hin. Hierbei passiert der Radfahrer geradeaus die Fußgängerampel. Beim nachfolgenden Übergang der Straße nach links muss auf eine spezielle Ampel für Radfahrer geachtet werden, die früher auf Grün schaltet als die Fußgängerampel.

FLOPS
Die schlechte Ampelschaltung an der Elsa-Brändström-Straße (4,1): „Die dreimal längere Rotphase klaut Radfahrern und Fußgängern Zeit“, bemerkt Bernd Kü!ner. Auch die Anzahl der Passanten und Radfahrer übertreffe die der Autofahrer.

Die schlechte Radverkehrsführung an der Baustelle in der Feilenstraße (4,6): Die Straße hat allgemein eine hohe Unfallhäufung. Zusätzlich befindet sich eine Baustelle auf dem Radweg auf Höhe der Bahnhofstraße. Radfahrer müssen die Autospur oder den Bürgersteig nutzen.

Das Parken auf dem Radweg an der Feilenstraße wird unzureichend überwacht (4,4); Radfahrer werden auf der Feilenstraße auf der Fahrbahn bedrängt (4,2): Der Fahrradweg endet abrupt auf einer Seite. Radfahrer werden so gezwungen, auf der Straße weiterzufahren, die meist von schnellfahrenden Autos befahren wird.

Quelle: http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/mitte/20482695_Note-37-fuer-Fahrradfreundlichkeit.html | Neue Westfälische - Mitte 10.06.15 12:15 | Copyright © Neue Westfälische 2015
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Neue Westfälische Zeitung - Lokales - Bielefeld Dornberg-Werther, Freitag 16. Januar 2015 


Lebensgefühl Radfahrer

Initiative versucht, die Bielefelder zu bewegen / Zufällig-geplante Tour am 30. Januar

Bielefeld. Tausende Bielefelder fahren Rad - unzählige Akteure fühlen sich an diversen Stellen mit verantwortlich für das Thema. Es gibt Verbände, Politiker, den Radfahrbeauftragten, Ärzte, Umweltgruppen, Wissenschaftler. Nur vernetzt sind sie aus Sicht von Alexander Kowalak eher schlecht. Er will das mit vielen Mitstreitern ändern, auch über den "Critical Mass", eine eigenwillige, spezielle Radfahrer-Aktionsform.

Lebensgefühl Radfahren - bald auch in Bielefeld?

Jeden letzten Freitag im Monat treffen sich Radfahrer, die sich in sozialen Netzwerken und über Mund-zu-Mund-Propaganda verabreden, um 19 Uhr auf dem Kesselbrink, um dann gemeinsam durch Bielefeld zu radeln. Das Phänomen - weltweit gelebt - ist in Bielefeld angekommen, "es waren schon 150 Leute dabei, aber auch schon einmal nur 30", sagt Kay Lofthouse, die regelmäßig mitradelt. Da die Idee die einer fast zufälligen, nicht-organisierten Tour ist, gibt es keinen offiziellen Veranstalter. "Mit der Polizei ist es an dieser Stelle zurzeit etwas schwierig", sagt Kowalak - es geht um Stichwörter wie Streckensicherung und unangemeldete Versammlungen. Hintergrund: Sind es 16 Radler und mehr, dürfen sie nebeneinander im Verbund auf der Straße fahren, auch wenn es daneben benutzungspflichtige Radwege gibt. Damit bekommt der "Critical Mass" demonstrativen Charakter, bringt öffentliche Aufmerksamkeit.

Uwe Adam ist Hausarzt, er weiß, wie wichtig Radfahren und jede Bewegung im Alltag ist. Er findet die "Critical Mass" attraktiv, weil "sie keine Eskalation ist, aber auch nicht gleichgültig gesehen wird". Bis zu zwei Stunden radeln die Aktivisten dann durch Bielefeld, Kinder sind dabei, ältere Bürger, "ein 75-Jähriger kommt sogar immer aus Verl zu uns geradelt".

Adam, der zynisch sagt, er könne sich beruflich eigentlich über all die Bewegungsunfreudigen freuen, wolle das aber natürlich nicht, ärgert sich: "Wenn ich sehe, dass Kinder, die ihren Schulweg malen sollen, einen Auto-Rücksitz malen, dann weiß ich, dass es viel zu tun gibt."

Kowalak hofft, "dass Bielefeld reif ist für die Critical Mass" - parallel will er so viel wie möglich Aufmerksamkeit für Themen wie Radfahren und tägliche Bewegung im Straßenverkehr erzeugen. Für ihn sind das Zukunftsthemen in Großstädten: "Ich hoffe, dass wir so ein urbanes, modernes Lebensgefühl nach Bielefeld bringen können."

Dafür hat er auch eine Homepage aufgebaut - hier sollen bewegte Menschen Infos finden zur Critical Mass, zu Aktionen, zu interessanten Texten - und gibt es Blogs. Themen wie "Chic on Bike", Stadtradeln, "Stars" und Walkability ((alltagsnahe Mobilität) sollen behandelt werden - "wir sehen das als Begegnungsplattform", sagt Kowalak. Eine Plattform für das "Lebensgefühl Fahrrad".

www.faradies-bielefeld.de

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